Klingt das nach KI? Warum die Verwaltung oft die falschen Fragen stellt

Klingt das nach KI? Warum die Verwaltung oft die falschen Fragen stellt

Im Büroalltag verstricken wir uns schnell in eine Detektivjagd, wenn ein Entwurf ungewöhnlich glatt formuliert ist. Dabei schafft nicht der Ursprung eines Textes Vertrauen, sondern seine überprüfbare Richtigkeit.

Sobald ein Text auf dem Bildschirm sehr allgemein oder schlicht zu perfekt wirkt, schlägt das menschliche Bauchgefühl Alarm. Im Büro beginnt dann oft eine Diskussion über typische Formulierungen und den vermeintlich maschinellen Schreibstil. Im Team wird nach Wörtern gesucht, die auf den Einsatz eines Sprachmodells hindeuten. Dieser Fokus führt in der öffentlichen Verwaltung jedoch leicht in die Irre. Stil ist kein Qualitätsnachweis.

Der Schreibstil ist kein Beweis für Fakten

Eine umfangreiche Analyse von The Economist zeigt, wie unterschiedlich große Sprachmodelle schreiben. Sie macht zugleich deutlich: Einzelne bekannte Stilmerkmale reichen nicht aus, um die Herkunft eines Textes zuverlässig zu beurteilen. Ein Text kann von einem Menschen geschrieben sein und trotzdem fachliche Fehler enthalten. Umgekehrt kann ein KI-Entwurf nach einer sorgfältigen inhaltlichen Prüfung korrekt und für die Zielgruppe hilfreich sein. Die Herkunft eines Textes ist nicht gleichbedeutend mit seiner Verlässlichkeit.

Problematisch wird ein Text nicht allein deshalb, weil eine Software beim ersten Entwurf geholfen hat. Problematisch wird er, wenn eine Frist nicht stimmt, eine behördliche Zuständigkeit verwechselt wird oder eine Rechtsgrundlage falsch wiedergegeben wird. Eine glatte und professionelle Sprache ist kein Beweis für korrekte Fakten. Gerade weil Textgeneratoren auch unzutreffende Sachverhalte plausibel und überzeugend formulieren können, wird die inhaltliche Kontrolle durch Menschen umso wichtiger.

Fünf Ebenen der Schlussredaktion

Für die Qualität eines veröffentlichten Textes ist nicht entscheidend, wer den ersten Satz formuliert hat. Entscheidend ist, wer Inhalt und Folgen geprüft hat und dafür einsteht. Eine sinnvolle Schlussredaktion prüft deshalb ganz andere Ebenen:

  • Fakten und Belege: Sind Namen, Zahlen, Zuständigkeiten, Daten, Beschlüsse und Rechtsgrundlagen wirklich korrekt?
  • Konkretheit: Benennt der Text exakt, was sich für wen, ab wann und unter welchen Bedingungen ändert?
  • Kommunikatives Urteil: Versteht die Zielgruppe, was sie nun tun muss? Fehlen relevante Einschränkungen, Risiken, Fristen, Ansprechpersonen oder Kosten?
  • Lokale Passung: Klingt der Text nach der jeweiligen Kommune und dem konkreten Anlass oder ist er beliebig austauschbar?
  • Verantwortung und Freigabe: Wer steht fachlich für die Aussage ein?

Transparenz und Verantwortung im AI Act

Transparenz bleibt dabei ein wichtiger Faktor. Nach Artikel 50 Absatz 4 des AI Act müssen Betreiber offenlegen, wenn KI-generierte oder KI-manipulierte Texte veröffentlicht werden, um die Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse zu informieren. Eine Ausnahme gilt, wenn der Inhalt menschlich überprüft oder redaktionell kontrolliert wurde und eine natürliche oder juristische Person die redaktionelle Verantwortung für die Veröffentlichung übernimmt.

Künstliche Intelligenz kann dabei helfen, Entwürfe zu strukturieren, zu kürzen und Varianten vorzuschlagen. Sie weiß jedoch nicht verlässlich von sich aus, was in der konkreten Kommune gilt. Wer Informationen veröffentlicht, muss ihren Inhalt prüfen. Nicht weil jeder Satz selbst geschrieben sein muss. Sondern weil sich Bürgerinnen und Bürger auf behördliche Informationen verlassen.

Ähnliche Beiträge